Vorrechte für Etablierte?

Pegida ist in aller Munde. Bei manchen Teilen in der Bevölkerung herrscht ein Unbehagen gegenüber islamische Mitmenschen bzw. eine generelle Fremdenfeindlichkeit. Aber ist dies ein neues Phänomen? Bereits vor genau 50 Jahren hat dieses Phänomen Norbert Elias in seinem Buch „The Established and the Outsiders“ beschrieben. Er beschrieb mittels einer empirischen Studie, durchgeführt in einer englischen Gemeinde, die Beziehung zwischen den etablierten „Alteingesessenen“ und den neuen Zugezogenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in diese Gemeinde umgesiedelt wurden. Er zeigt, wie die alteingesessenen Einwohner die Zugezogenen generell abwerteten und mit Gerüchten gegen sie Stimmung machten. Dieses Phänomen ist seitdem in der Soziologie als Etablierten-Vorrecht bekannt.

Aber gibt es dieses Phänomen nur in der (deutschen) Bevölkerung? Nein, dies Phänomen gibt es auch in Unternehmen. Auch in Unternehmen gibt es die Etablierten-Vorrechte. Auch dort herrschen Gedanken wie: wer schon immer da war, kann und weiß es sowieso besser, die Neuen sollen sich unserer Kultur unterordnen. Diese Gedankenhaltung ist gefährlich. Wie sie für die Gesellschaft gefährlich ist, so ist sie auch für die Unternehmen gefährlich. Denn sie bedeutet für ein Unternehmen: Stillstand, keine Entwicklung. Homogene, einschränkende Wertegesellschaften, sei es in der Bevölkerung oder in einem Unternehmen, reduzieren die Chancen auf Veränderung. Und wie in der Gesellschaft so ist auch in einem Unternehmen gegen ein bewahrendes Etablierten-Vorrecht vorzugehen. Unternehmenslenker können dieses gut: sie können durch Besetzung von Schlüsselpositionen Vielfalt im Unternehmen unterstützen, sie können durch international besetzte Vorstände Vielfalt leben. Wenn sie es denn wollen. Denn es kostet etwas mehr Kraft.