Ich mache Schluss, wenn…

Ein Unternehmen zu gründen, ist nicht schwierig. Eine Firmengründung zu einem erfolgreichen Unternehmen aufzubauen, ist schon schwieriger. Ein erfolgreiches Unternehmen über viele Jahre, Jahrzehnte erfolgreich weiterzuführen, ist schwierig. Schwierig ist es auch, den richtigen Zeitpunkt für den eigenen persönlichen Ausstieg zu treffen.

„Ich mache Schluss, wenn ich sage: das haben wir schon immer so gemacht.“ Dies antwortete der Unternehmer Erich Sixt, 71, in einem Interview mit dem Spiegel über den richtigen Zeitpunkt seines Aufhörens. Diese Aussage hat mir sehr gefallen. Es ist die Einstellung, die ein Unternehmer haben muss, um sein Unternehmen langfristig agil und erfolgreich zu halten. Erich Sixt hat mit dieser Einstellung in den letzten fast vier Jahrzehnten ein bemerkenswertes Unternehmen aufgebaut. Ein Unternehmen, das nicht nur durch seine freche, respektlose Werbung jung erscheint.

„Ich mache Schluss, wenn ich sage: das haben wir schon immer so gemacht“ sollte aber auch ein Motto von Unternehmenslenkern sein, die nicht altersbedingt vor dieser Entscheidung stehen. Viele Unternehmen fahren ihr einmal erfolgreiches Geschäftsmodell sehr lange. Die Manager bewegen sich in einem bekannten Umfeld, in einem bekannten Markt, mit ähnlichen Produkten, mit bekannten Wettbewerbern. Man kennt sich aus, man kennt sich, man erscheint kompetent. Dieses Geschäftsmodell wird aber zwangsläufig früher oder später erodieren. Es ist eine Management-verantwortung, diesem vorzubeugen. Dies ist leider schwierig: man kennt sich nicht mehr aus, muss Risiken eingehen. Ein gern angewandtes Mittel in diesem Fall ist es, sich Innovationen und Umsatz über Akquisitionen einzuverleiben. Diese Akquisitionskandidaten, deren Geschäftsmodell und Geschäftszahlen kann man genau unter die Lupe nehmen, dies reduziert das Risiko. Letztendlich kauft man damit aber nur Zeit. Gelingt es nicht, diese „externen“ Innovationen, Ideen und Märkte in das Unternehmen erfolgreich zu integrieren, bleiben sie Satelliten und der ursprüngliche Kern mit seinem alten, abgelaufenen Geschäftsmodell verändert sich nicht. Bis, ja bis auch diese neuen Akquisitionen zu einem Ende ihres Geschäftsmodells kommen und wieder neue Akquisitionen notwendig sind. Akquisitionen können ein probates Mittel sein, rechtzeitig Innovationen in das Unternehmen zu integrieren. Sie können aber auch eine die Folge eines deutlich in die Jahre gekommenen internen Geschäftsmodells und nicht mehr wettbewerbsfähiger eigener Produkte sein. Und deswegen ist es so wichtig, „es nicht immer so zu machen.“

Der Spiegel 25/2016 Seiten 62 - 65