Es dürfen keine Monopole auf Daten oder Algorithmen entstehen

„Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt verändern, aber sie wird auch Vorteile bringen“, sagt Peter Ganten. Der Vorstandsvorsitzende des Open Source Business Alliance e.V. wird mit dabei sein, wenn auf der OPEN! 2017 das Thema „künstliche Intelligenz und Arbeit“ im gleichnamigen Panel diskutiert wird. In zwei weiteren Panels befasst sich die OPEN! 2017 mit künstlicher Intelligenz in der Kreativwirtschaft sowie mit Virtual Reality und künstlicher Intelligenz im Kultursektor.

Noch 33 Jahre dauert es, bis ein Computer mittels künstlicher Intelligenz einen Roman schreiben wird, der es auf die Bestseller-Liste der New York Times schafft. Das ist zumindest der Durchschnittswert, den eine Expertenbefragung ergab, die Wissenschaftler der Universitäten von Oxford und Yale durchgeführt haben. Ob es wirklich bis zum Jahr 2050 oder länger dauert, spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass Computer eines Tages Bücher schreiben werden, deren Verkaufszahlen die Herzen der Verleger von übermorgen hochschlagen lassen, und die Herzen mancher Autoren in die Nähe eines Infarkts treiben.

Künstliche Intelligenz kann und wird in alle Arbeitsbereiche vordringen. Sie wird nicht nur Industrieprozesse neugestalten, sondern auch Handel und Dienstleistung erreichen. Sie wird nicht nur jene Aufgaben übernehmen, die immer nach denselben Mustern ablaufen. Künstliche Intelligenz wird auch dort Fuß fassen, wo Kreativität und Um-die Ecke-denken entscheidend sind, wo Irrationalität mitunter zum Salz in der Suppe wird: In Kunst und Kultur, im Journalismus, in der Werbung, in der PR, in Grafikbüros und Designabteilungen. Besteht Grund zur Sorge um die Arbeitswelt, weil den Menschen eines Tages die Jobs ausgehen könnten?

Die US-Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne haben 2013 eine Studie veröffentlicht, in der sie für 702 Berufe untersucht haben, in wie weit diese automatisiert werden können. Für 47 Prozent der Stellen des US-Arbeitsmarkts sehen die beiden Wissenschaftler ein hohes Risiko, durch Computer ersetzt zu werden – möglicherweise schon binnen der kommenden 20 Jahre. Allerdings betonen Frey und Osborne auch: Es handelt sich um eine Schätzung. Wie die Entwicklung tatsächlich laufen wird, darüber kann die Studie keine Auskunft geben, denn sie untersuchte nur, wie groß das Automatisierungspotenzial in den 702 Berufen ist. Eine Idee, wie stark künstliche Intelligenz die Arbeitswelt beeinflussen könnte, vermittelt die Studie dennoch.

Was auf den ersten Blick bedrohlich erscheint, ist eine bekannter Mechanismus: Neue Technologien haben den Arbeitsmarkt immer verändert. „Früher haben 90 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft gearbeitet. Im Zuge der Industrialisierung wurden 90 Prozent dieser Leute nicht mehr gebraucht. Es sind aber neue Berufsfelder entstanden. Auch die künstliche Intelligenz wird Jobs hinfällig machen. Ich traue den Menschen jedoch zu, dass sie sich mit den freiwerdenden Ressourcen Neues erschließen“, erklärt Peter Ganten, IT-Unternehmer aus Bremen und Vorstandsvorsitzender des Vereins Open Source Business Alliance. In jenen Arbeitsfeldern, in denen Menschen über Menschen nachdenken, und in denen Menschen anderen Menschen helfen, wird der Mensch noch lange gebraucht werden, schätzt Ganten.

Also beispielsweise in Fürsorge, Ausbildung und Coaching. Weitere Bereiche sind Wissenschaft und Forschung. Ganten sieht in der künstlichen Intelligenz viele Vorteile: „Künstliche Intelligenz macht weniger Fehler, sie kann strukturiertes Wissen besser abrufen und auswerten. Daher liefert sie zum Beispiel eine bessere Qualität bei Analysen und Sicherheit bei Diagnosen. Sie kann komplexe Abläufe, die kognitive Funktionen erfordern, automatisieren; zum Beispiel beim Autofahren“, nennt er einige Beispiele. Es gibt aber keine Automatismen, die der Menschheit neue Tätigkeitsfelder in den Schoß werfen. Ganten: „Wir müssen etwas dafür tun. Ich halte es zum Beispiel für unverzichtbar, dass wir mehr in Ausbildung investieren und mehr junge Menschen, vor allem Mädchen, für Technik begeistern. Nur wenn die Menschen qualifiziert sind, werden sie sich neue Tätigkeitsfelder schaffen können.“

Wenn die künstliche Intelligenz eine so enorme Tragweite entfalten kann, wie aktuell angenommen wird, darf man ihre Entwicklung nicht einigen wenigen überlassen. Wenn Unternehmen nur den wirtschaftlichen Verheißungen nacheilen, die in der künstlichen Intelligenz zweifellos stecken, könnte die Dynamik die gesellschaftlichen Interessen überrollen. „Unternehmen müssen profitabel sein und wachsen. Ein Unternehmen muss sich aber auch fragen, ob es das Richtige tut für die Welt und für die Gesellschaft. Dort, wo die Frage nach Richtigkeit nicht beantwortet werden kann, brauchen wir Regulierung. Das setzt voraus, dass eine starke Gemeinschaft über Ethik diskutiert und Regulierung anstößt,“ erläutert Ganten und verweist auf Vordenker wie Elon Musk und Stephen Hawking: „Sie fordern solche Diskussionen schon lange.“

Quelle: www.openkonferenz.de/news/news-detailseite/news/es-duerfen-keine-monopole-auf-daten-oder-algorithmen-entstehen, 19.10.2017

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