Ist die CeBIT noch zeitgemäß?

Damals, ja damals…Damals haben wir noch f(F)este gefeiert und feste am nächsten Tag gearbeitet: sehr vielen Kunden und Interessierten unsere Lösungen wie am Fließband gezeigt und irgendwann, wenn Zeit war, den Leadbogen (hoffentlich) ausgefüllt. Damals gab es auch keine anderen Medien. Ist die CeBIT heute noch zeitgemäß?

Mit 28 Jahren durfte ich zum ersten Mal auf die CeBIT. Als Account Manager durfte ich Interessenten unsere kurz vor der CeBIT fertiggestellte Demo-Lösung zeigen. Nur den Demo-Pfad versteht sich, sonst wäre die Lösung abgestürzt. Vor dem Demo-Stand standen in der Regel mehrere Interessenten, die entweder über die Schulter schauen oder sich anstellen mussten.  Während der immer wieder gleichen Präsentation überlegte man, auf welche der vielen Stand-Partys man ab 18:00 denn gehen sollte und wie man an begehrte Karten für richtige Firmen-Events danach rankommen könnte. Man musste auch lange wegbleiben, denn in seinem CeBIT-Zimmer erwartete einem nur ein Kinderbett ohne beigestellten Stuhl, in das man schließlich neben Plüschtieren einschlief, um am nächsten Morgen die immer gleichen, abgezählten Scheiben Käse und Wurst im Kühlschrank zu finden. Und täglich grüßt das Murmeltier… So ging das 5-7 Tage bis man erschöpft, aber glücklich nach der CeBIT zurück nach Hause fuhr.

Und heute? Gestern war ich nach sehr langer Zeit mal wieder auf der CeBIT. Auf dem Weg zur CeBIT fiel mir auf, dass es viele Staus während der Autofahrt gab, aber keine mehr vor dem Messegelände. Auch in den Hallen konnte man unbehelligt ohne Rempeleien und Ausweichmanöver durch die Gänge gehen und sich die Stände der Anbieter anschauen. Mir erschienen sie wie Burgen aus einer vergangenen Zeit. Wer benötigt denn heute noch Trucks auf dem Stand als Eye-Catcher oder doppelstöckige Stand-Aufbauten, auf denen nur „Privilegierte“ zum Kaffeetrinken dürfen? Das sind Vertriebs- und Marketingaktivitäten von gestern. Heute ist alles transparent, offen, virtuell.

Die „Customer Experience“ ist weiterhin wichtig bzw. wichtiger als je zuvor. Aber diese wird nicht (mehr) auf der CeBIT generiert. Der intensive Austausch mit Kunden, das direkte Feedback, das von manchen Ausstellern immer wieder als Grund für ihren Messeauftritt genannt wird, gibt es ihn wirklich? Es ist doch eher so, dass man sich auf der CeBIT einen „ersten Eindruck“ verschafft, noch nicht viel über sein eigenes Projekt rauslässt, um sich dann im Nachhinein über das Internet intensiver mit der Materie und dem Anbieter zu beschäftigen. Gleiches gilt für die Aussteller: auch sie lassen nicht „die Katze aus dem Sack“. Und so spricht man miteinander eher auf einer generischen, abstrakten Ebene.

Muss man deswegen auf die CeBIT? Sowohl als Anbieter als auch als Besucher? Meiner Meinung nach nicht! Diesen Informationsaustausch erhält man für beide Seiten effizienter und genauso persönlich (bzw. unpersönlich) in einem Erstgespräch per Web-Konferenzen wie wir sie als Software Innovation Bridge regelmäßig durchführen. Dabei entwickeln sich die Internet-Technologien immer weiter, so dass wir zukünftig auch die Customer Experience immer mehr virtuell erreichen können.

Wie es besser funktioniert, erlebte ich in Halle 11 auf der CeBIT: kleine offene, transparente Stände für die Start-Ups, ein kreatives Durcheinander von jungen Ausstellern, etablierten Firmen, Investoren und Personalberatungsfirmen. Hier wurde das Miteinander konzeptionell vorbereitet und ich hatte den Eindruck, dass es funktionierte. Wie gesagt: in einer Halle.