Geld und Globalisierung

Über Jahrtausende haben Denker und Philosophen das Geld als Wurzel allen Übels bezeichnet. Dabei war die Erfindung des Geldes die Voraussetzung für die Entstehung komplexer Handelsnetze und dynamischer Märkte.

Das Geld wurde häufig und an ganz verschiedenen Orten erfunden. Es wurde auf ganz unterschiedliche Art und Weise erfunden: Muscheln, Kühe, Perlen, Getreide, Münzen, Zigaretten… vieles wurde als Geld benutzt, denn es kann alles sein, was wir Menschen benutzen wollen, um systematisch den Wert anderer Dinge auszudrücken und damit Waren und Dienstleistungen zu tauschen.

Geld ist ein effektives Speicher- und Transportmedium, das immobiles in mobiles verwandelt. Aber warum sollte ein Bauer in Asien bereit sein, seine Waren einzutauschen gegen eine andere Geld-Art, z.B. Euro? Nur weil der Bauer darauf vertraut, dass er seine Euros zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder in etwas Anderes eintauschen kann. Geld ist also ein System gegenseitigen Vertrauens. Es ist das universellste und effizienteste System des gegenseitigen Vertrauens, das je erfunden wurde.

Geld ist der Gipfel der menschlichen Toleranz. Geld ist toleranter als jede Sprache, jedes Gesetz, jede Kultur, jede Religion. Geld ist das einzige von Menschen geschaffene System, das fast jede kulturelle Barriere überwindet. Dem Geld ist es zu verdanken, dass Menschen, die einander nie gesehen haben und sich auch nicht trauen, problemlos zusammenarbeiten können.

Geld ist nicht alles. Und es gibt auch viele negative Aspekte des Geldes. Aber die Entstehung unseres Wohlstandes haben wir auch ihm zu verdanken.

Quelle: Yuval Noah Harari, „Eine kurze Geschichte der Menschheit“, DVA 2013